Die Pest in Wien
bereits 1187 1. Pestwelle in Europa
25.1.1348 Erdbeben, wobei das Zentrum in Österreich lag und zum Einsturz der Villacher Alpe führte und vielen Toten.
Bereits davor häufig (abergläubische) Erscheinungen (Sonnenfinsternis etc.)!
1348 aus Italien kommend gelangte die Pest über den Brenner nach Kärnten und Stmk.
Nach Wien und Niederösterreich kam die Pest sehr wahrscheinlich aus Ungarn.
Es gab in Wien 4 Spitäler:
– Aussätzigenspital „Zum Klagbaum“ (Wieden)
– Lazaret von St. Johann (Alservorstadt)
– Bürgerspital
– Spital zu St. Marx
Im Unterschied zu Italien (v.a. Genua, Padua) gab es in Wien noch keinerlei Verordnungen im Hinblick auf die Pest mit Ausnahme des Erlasses von Herzog Albrecht II. Wonach Pesttote außerhalb der Stadt begraben werden sollten. Diese Verordnung wurde allerdings nicht eingehalten.
Bein Ausbruch der Pest floh wie überall der Adel aufs Land.
In Wien selbst kam es zu tausenden Toten. Grund dafür waren:
– mangelnde Hygiene (z.B. Abtritte, Abfall auf Straße,...)
– mangelnde Wasserversorgung (zu wenige Brunnen, die meist auch von Sickerwasser verseucht waren)
Insgesamt gab es in Wien rund 30 Badehäuser („Freß-, Sauf-, Luderhäuser“). Im 16. Jh. nahm deren Zahl allerdings aufgrund der Verbreitung von Syphilis stark ab!
Viele Ärzte flohen vor der Pest. Zusätzlich kam, dass bis dato die Ärzte in Paris studierten, da die Medizinische Fakultät in Wien noch nicht gegründet worden war (erst 1390).
Als „Ärzte“ fungierten somit „Quacksalber“ und in der Umgebung Wiens Priesterorden.
Man unterscheidet 3 Pestarten:
– Beulenpest: Pestbeulen an Hals, Achselhöhlen, Leistenbeugen, Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Schwindel, Erbrechen, Benommenheit; Heilungschancen!
–Lungenpest: hohes Fieber, starker Hustenreiz, Atemnot, blutiger Auswurf; Tod tritt nach wenigen Stunden bis max. 2-3 Tagen ein; hohe Ansteckungsgefahr auch im Winter!
– Hautpest: Pestpusteln, Pestkarbunkel, Hautgeschwüre verursacht durch die Stiche infizierter Flöhe
Bereits 1261 passierte die Geißelbewegung (Flagellanten) erstmals Wien; 1348 kam sie aus Ungarn zurück (1347 fiel in Jerusalem ein Brief auf den Sankt-Peter-Altar, der in der Geißlerpredigt zu Buße aufrief!)
Im Oktober 1349 verbot Papst Clemens VI. In einer Bulle die Geißlerbewegung sowie die Beraubung und Ermordung von Juden, letzteres bei Strafe des Bannes.
Trotzdem kam es vielerorts zu blutigen Ausschreitungen gegen Juden.
Wiens Juden genoßen unser Albrecht II. Einen gewissen Schutz („Judenherr“).
In Krems, Mödling, Stein und Mautern kam es allerdings zu Verfolgungen.
Nach dem Abklingen der Pest kam es zu einem Sittenverfall und einer Weltuntergangsstimmung.
„Vienna ventosa aut venenosa“: In Wien herrscht der Wind oder die Pest. - Wien war stets besonders anfällig für spätere Pestepidemien (z.B. 1381, 1399, 1410, bis 1889)
Verschiedene (wirkungslose) Pestschriften:
„Consilium tempore pestilencia“: besondere Diät, ausgeglichenes Gemüt, Vermeiden von Aufregung, Traurigkeit und Geschlechtsverkehr; Reinigen von Räumen mit wohlriechenden Essenzen; Besuch überfüllter Bäder untersagt.
Pesttraktat des ital. Arztes Galeazzo: Überwachung fremder Kaufleute (Donauhandel!)
„Pestregiment“ (1428): von Johannes Aygel (Schüler Galeazzos)
schrieb den tägl. Genuß von Priesersalz („sal sacerdotale“) vor; Schwitzkur bei Auftreten von Pestbeulen; Einnahme von Theriak
„Gesundheitsregeln“ von Johannes Rogg: Aderlass bei den ersten Symptomen zur Reinigung des Körpers
„Praeservativa a peste“ (1444): keine neuen Rezepte!
Anfang des 16. Jh. kam es zur Einführung einer Infektionsordnung durch die niederösterreichische Statthalterei, in der die Bevölkerung einerseits über die Pest als Strafe für den Zorn Gottes aufgeklärt wurde, und andererseits vorbeugende und heilende Maßnahmen (Hygiene, Ausweisung von evtl. infizierten bzw. potentiellen Überträgern wie Bettlern z.B.) enthielt.
Weiters wurden alle Wundärzte aufgefordert, verdächtige Erkrankte zu melden.
Diese Verordnung konnte jedoch kaum umgesetzt werden, da viele Ärzte etc. dagegen verstießen!
1522: „Magister sanitas“ als Leiter für Pestangelegenheiten eingeführt
1665: Pestordnung von Dr. Managetta
Dr. Paul Sorbait: ging als „Pestarzt“ in Wr. Chroniken ein (Leopold I. Machte ihn zum obersten Leiter in ärztl. Angelegenheiten)
(Quelle: Die Pest in Wien; Hilde Schmölzer (pp.7-72))
25.1.1348 Erdbeben, wobei das Zentrum in Österreich lag und zum Einsturz der Villacher Alpe führte und vielen Toten.
Bereits davor häufig (abergläubische) Erscheinungen (Sonnenfinsternis etc.)!
1348 aus Italien kommend gelangte die Pest über den Brenner nach Kärnten und Stmk.
Nach Wien und Niederösterreich kam die Pest sehr wahrscheinlich aus Ungarn.
Es gab in Wien 4 Spitäler:
– Aussätzigenspital „Zum Klagbaum“ (Wieden)
– Lazaret von St. Johann (Alservorstadt)
– Bürgerspital
– Spital zu St. Marx
Im Unterschied zu Italien (v.a. Genua, Padua) gab es in Wien noch keinerlei Verordnungen im Hinblick auf die Pest mit Ausnahme des Erlasses von Herzog Albrecht II. Wonach Pesttote außerhalb der Stadt begraben werden sollten. Diese Verordnung wurde allerdings nicht eingehalten.
Bein Ausbruch der Pest floh wie überall der Adel aufs Land.
In Wien selbst kam es zu tausenden Toten. Grund dafür waren:
– mangelnde Hygiene (z.B. Abtritte, Abfall auf Straße,...)
– mangelnde Wasserversorgung (zu wenige Brunnen, die meist auch von Sickerwasser verseucht waren)
Insgesamt gab es in Wien rund 30 Badehäuser („Freß-, Sauf-, Luderhäuser“). Im 16. Jh. nahm deren Zahl allerdings aufgrund der Verbreitung von Syphilis stark ab!
Viele Ärzte flohen vor der Pest. Zusätzlich kam, dass bis dato die Ärzte in Paris studierten, da die Medizinische Fakultät in Wien noch nicht gegründet worden war (erst 1390).
Als „Ärzte“ fungierten somit „Quacksalber“ und in der Umgebung Wiens Priesterorden.
Man unterscheidet 3 Pestarten:
– Beulenpest: Pestbeulen an Hals, Achselhöhlen, Leistenbeugen, Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Schwindel, Erbrechen, Benommenheit; Heilungschancen!
–Lungenpest: hohes Fieber, starker Hustenreiz, Atemnot, blutiger Auswurf; Tod tritt nach wenigen Stunden bis max. 2-3 Tagen ein; hohe Ansteckungsgefahr auch im Winter!
– Hautpest: Pestpusteln, Pestkarbunkel, Hautgeschwüre verursacht durch die Stiche infizierter Flöhe
Bereits 1261 passierte die Geißelbewegung (Flagellanten) erstmals Wien; 1348 kam sie aus Ungarn zurück (1347 fiel in Jerusalem ein Brief auf den Sankt-Peter-Altar, der in der Geißlerpredigt zu Buße aufrief!)
Im Oktober 1349 verbot Papst Clemens VI. In einer Bulle die Geißlerbewegung sowie die Beraubung und Ermordung von Juden, letzteres bei Strafe des Bannes.
Trotzdem kam es vielerorts zu blutigen Ausschreitungen gegen Juden.
Wiens Juden genoßen unser Albrecht II. Einen gewissen Schutz („Judenherr“).
In Krems, Mödling, Stein und Mautern kam es allerdings zu Verfolgungen.
Nach dem Abklingen der Pest kam es zu einem Sittenverfall und einer Weltuntergangsstimmung.
„Vienna ventosa aut venenosa“: In Wien herrscht der Wind oder die Pest. - Wien war stets besonders anfällig für spätere Pestepidemien (z.B. 1381, 1399, 1410, bis 1889)
Verschiedene (wirkungslose) Pestschriften:
„Consilium tempore pestilencia“: besondere Diät, ausgeglichenes Gemüt, Vermeiden von Aufregung, Traurigkeit und Geschlechtsverkehr; Reinigen von Räumen mit wohlriechenden Essenzen; Besuch überfüllter Bäder untersagt.
Pesttraktat des ital. Arztes Galeazzo: Überwachung fremder Kaufleute (Donauhandel!)
„Pestregiment“ (1428): von Johannes Aygel (Schüler Galeazzos)
schrieb den tägl. Genuß von Priesersalz („sal sacerdotale“) vor; Schwitzkur bei Auftreten von Pestbeulen; Einnahme von Theriak
„Gesundheitsregeln“ von Johannes Rogg: Aderlass bei den ersten Symptomen zur Reinigung des Körpers
„Praeservativa a peste“ (1444): keine neuen Rezepte!
Anfang des 16. Jh. kam es zur Einführung einer Infektionsordnung durch die niederösterreichische Statthalterei, in der die Bevölkerung einerseits über die Pest als Strafe für den Zorn Gottes aufgeklärt wurde, und andererseits vorbeugende und heilende Maßnahmen (Hygiene, Ausweisung von evtl. infizierten bzw. potentiellen Überträgern wie Bettlern z.B.) enthielt.
Weiters wurden alle Wundärzte aufgefordert, verdächtige Erkrankte zu melden.
Diese Verordnung konnte jedoch kaum umgesetzt werden, da viele Ärzte etc. dagegen verstießen!
1522: „Magister sanitas“ als Leiter für Pestangelegenheiten eingeführt
1665: Pestordnung von Dr. Managetta
Dr. Paul Sorbait: ging als „Pestarzt“ in Wr. Chroniken ein (Leopold I. Machte ihn zum obersten Leiter in ärztl. Angelegenheiten)
(Quelle: Die Pest in Wien; Hilde Schmölzer (pp.7-72))
Alveradis - 19. Mrz, 14:57
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