Historisches

Sonntag, 19. März 2006

Die Pest in Wien

bereits 1187 1. Pestwelle in Europa
25.1.1348 Erdbeben, wobei das Zentrum in Österreich lag und zum Einsturz der Villacher Alpe führte und vielen Toten.
Bereits davor häufig (abergläubische) Erscheinungen (Sonnenfinsternis etc.)!

1348 aus Italien kommend gelangte die Pest über den Brenner nach Kärnten und Stmk.
Nach Wien und Niederösterreich kam die Pest sehr wahrscheinlich aus Ungarn.
Es gab in Wien 4 Spitäler:
– Aussätzigenspital „Zum Klagbaum“ (Wieden)
– Lazaret von St. Johann (Alservorstadt)
– Bürgerspital
– Spital zu St. Marx

Im Unterschied zu Italien (v.a. Genua, Padua) gab es in Wien noch keinerlei Verordnungen im Hinblick auf die Pest mit Ausnahme des Erlasses von Herzog Albrecht II. Wonach Pesttote außerhalb der Stadt begraben werden sollten. Diese Verordnung wurde allerdings nicht eingehalten.

Bein Ausbruch der Pest floh wie überall der Adel aufs Land.
In Wien selbst kam es zu tausenden Toten. Grund dafür waren:
– mangelnde Hygiene (z.B. Abtritte, Abfall auf Straße,...)
– mangelnde Wasserversorgung (zu wenige Brunnen, die meist auch von Sickerwasser verseucht waren)
Insgesamt gab es in Wien rund 30 Badehäuser („Freß-, Sauf-, Luderhäuser“). Im 16. Jh. nahm deren Zahl allerdings aufgrund der Verbreitung von Syphilis stark ab!

Viele Ärzte flohen vor der Pest. Zusätzlich kam, dass bis dato die Ärzte in Paris studierten, da die Medizinische Fakultät in Wien noch nicht gegründet worden war (erst 1390).
Als „Ärzte“ fungierten somit „Quacksalber“ und in der Umgebung Wiens Priesterorden.


Man unterscheidet 3 Pestarten:

Beulenpest: Pestbeulen an Hals, Achselhöhlen, Leistenbeugen, Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Schwindel, Erbrechen, Benommenheit; Heilungschancen!
Lungenpest: hohes Fieber, starker Hustenreiz, Atemnot, blutiger Auswurf; Tod tritt nach wenigen Stunden bis max. 2-3 Tagen ein; hohe Ansteckungsgefahr auch im Winter!
Hautpest: Pestpusteln, Pestkarbunkel, Hautgeschwüre verursacht durch die Stiche infizierter Flöhe

Bereits 1261 passierte die Geißelbewegung (Flagellanten) erstmals Wien; 1348 kam sie aus Ungarn zurück (1347 fiel in Jerusalem ein Brief auf den Sankt-Peter-Altar, der in der Geißlerpredigt zu Buße aufrief!)

Im Oktober 1349 verbot Papst Clemens VI. In einer Bulle die Geißlerbewegung sowie die Beraubung und Ermordung von Juden, letzteres bei Strafe des Bannes.
Trotzdem kam es vielerorts zu blutigen Ausschreitungen gegen Juden.

Wiens Juden genoßen unser Albrecht II. Einen gewissen Schutz („Judenherr“).
In Krems, Mödling, Stein und Mautern kam es allerdings zu Verfolgungen.
Nach dem Abklingen der Pest kam es zu einem Sittenverfall und einer Weltuntergangsstimmung.
„Vienna ventosa aut venenosa“: In Wien herrscht der Wind oder die Pest. - Wien war stets besonders anfällig für spätere Pestepidemien (z.B. 1381, 1399, 1410, bis 1889)


Verschiedene (wirkungslose) Pestschriften:

„Consilium tempore pestilencia“: besondere Diät, ausgeglichenes Gemüt, Vermeiden von Aufregung, Traurigkeit und Geschlechtsverkehr; Reinigen von Räumen mit wohlriechenden Essenzen; Besuch überfüllter Bäder untersagt.

Pesttraktat des ital. Arztes Galeazzo: Überwachung fremder Kaufleute (Donauhandel!)

„Pestregiment“
(1428): von Johannes Aygel (Schüler Galeazzos)
schrieb den tägl. Genuß von Priesersalz („sal sacerdotale“) vor; Schwitzkur bei Auftreten von Pestbeulen; Einnahme von Theriak

„Gesundheitsregeln“ von Johannes Rogg: Aderlass bei den ersten Symptomen zur Reinigung des Körpers

„Praeservativa a peste“ (1444): keine neuen Rezepte!

Anfang des 16. Jh. kam es zur Einführung einer Infektionsordnung durch die niederösterreichische Statthalterei, in der die Bevölkerung einerseits über die Pest als Strafe für den Zorn Gottes aufgeklärt wurde, und andererseits vorbeugende und heilende Maßnahmen (Hygiene, Ausweisung von evtl. infizierten bzw. potentiellen Überträgern wie Bettlern z.B.) enthielt.
Weiters wurden alle Wundärzte aufgefordert, verdächtige Erkrankte zu melden.
Diese Verordnung konnte jedoch kaum umgesetzt werden, da viele Ärzte etc. dagegen verstießen!

1522: „Magister sanitas“ als Leiter für Pestangelegenheiten eingeführt

1665: Pestordnung von Dr. Managetta

Dr. Paul Sorbait: ging als „Pestarzt“ in Wr. Chroniken ein (Leopold I. Machte ihn zum obersten Leiter in ärztl. Angelegenheiten)


(Quelle: Die Pest in Wien; Hilde Schmölzer (pp.7-72))

Wien im 12. & 13. Jahrhundert

Wien hielt bereits in der 1.Hälfte des 12. Jh. eine wichtige Stellung als Burgplatz und Pfarrort inne, war aber kein Zentrum einer Siedlungsverdichtung!
Durch den Baubeginn des Stephansdoms (um 1145) kam es zu einem Handwerkerzuwachs und damit verbunden zu einem wirtschaftlicher Aufschwung!

Erst 1152 mit Regierungsantritt Friedrichs Barbarossas und damit durch dessen Welfenpolitik (Heinrich der Löwe) zur Trennung von Österreich von Bayern sowie der Ernennung Österreichs zum Herzogtum begann Wien wirklich aufzublühen.
Nach dem Vorbild seiner bisherigen Hauptstadt Regensburg begann Heinrich Jasomirgott Wien auszubauen, wodurch abermals Handwerker angelockt wurden.
Zusätzlich kamen iroschottische Mönche aus dem Regensburger Klster St. Jakob, wodurch es zu den ersten Klostergründungen auf Wiener Gebiet kam.
Von einem Bürgertum ist in Wien erst ab etwa 1200 erstmals wirklich die Sprache. Bis dahin waren die Grundbesitzer Gefolgsleute Jasomirgotts!

Jasomirgott führte u.a. drei Aktivitäten aus:
1.Instandsetzung der römischen Mauer (Ringmauer) als Abschreckung von Feinden; die Stadt war über diverse Tore erreichbar.
2.Errichtung einer herzöglichen Pfalz im Südwesten des Areals (um den Stephansdom). Der Palas als zentrale Stelle der nach dem Vorbild einer Königspfalz errichteten Pfalz lag etwa an der Stelle der Kirche zu den Neun Chören der Engel. Heute erinnert der Platz „Am Hof“ daran.
3.Gründung des Schottenklosteres in unmittelbarer Nähe der Pfalz, aber vor den Mauern.

1221 erhielt Wien das Stadtrechtsprivileg: Der Herzog hielt sich die Aufnahme von Neubürgern unter bestimmten Umständen selbst vor.

Klostergründungen in Wien bis 1250:
1224 Minoritenkonvent
1225 zweites Dominikanerkloster
zw. 1207-1217 Johanniter
um 1210 Deutscher Orden

Durch die zunehmende Bedeutung Wiens kam es auch in unmittelbarer Stadtnähe zu wachsender Siedlungstätigkeit.


(Quelle: Wien – Geschichte einer Stadt. Bd. 1 (pp. 69-80); Peter Csendes, Ferdinand Opall; Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar: 2001)

Die Kreuzzüge

Bevor sie auf meinem PC nur verstaubt, stell ich hier einmal mein Spezialgebiet in Geschichte zu meiner Matura 2003 online.
Vielleicht hilft es ja jemandem weiter ;)

Kreuzzug (doc, 286 KB)

Leopold V.

1192 wurde Richard Löwenherz auf der Rückreise vom dritten Kreuzzug aus dem heiligen Land in Erdberg bei Wien von Herzog Leopold V. (1157-1194) gefangen genommen. Trotz der vielen Sagen und Legenden die sich um diesen „historischen Skandal“ ranken, wie die Missachtung der österreichischen Flagge durch Richard Löwenherz bei der Erstürmung von Akkon sowie der Suche des Sängers Blondels nach seinem Herrn, ebenso wie die Legende über die Entstehung der österreichischen Farben (der Waffenrock des Herzogs soll vom Feindesblut rot getränkt gewesen sein, und nur der Bereich des Gürtels schimmerte noch weiß), war die Realität weit weniger heldenhaft, sondern mehr eine europaweite Auseinandersetzung zwischen dem englischen König Richard Löwenherz und seinem Lehensherrn König Philipp II. Von Frankreich, sowie Kaiser Heinrich VI., welcher sich auf die Loyalität der Babenberger stützte, welche durch Belehnung mit der Steiermark (nach dem Tod Otakars IV. ) auf sein Wohlwollen angewiesen.
Die Gefangenahme des englischen Königs schien somit ein von den großen Mächten der damaligen Zeit geplantes und gebilligtes Großunternehmen zu sein.
Löwenherz wurde erst auf der Burg Dürnstein in der Wachau, später in Trifels am Rhein untergebracht, ehe er gegen ein Lösegeld von 100.000 Mark Silber und viele politische Zugeständnisse am 14. Februar 1194 freigelassen wurde.
Das enorme Lösegeld wurde je zur Hälfte zwischen Leopold V. Und Heinrich VI. Aufgeteilt.
Leopold V. Verwendete seinen Anteil zur Städtegründung (Wr. Neustadt, Friedberg), ebenso wie zur Verstärkung von Stadtbefestigungen (Enns, Hainburg).
Wien selbst wurde Zentrum eines Baubooms und nahm den Charakter einer Residenzstadt an, welche sich im 13. Jahrhundert zum Zentrum einer regen Handelstätigkeit. Die Wiener Kaufleute nahmen ab der Zeit um 1200 hierbei eine wichtige Mittlerstellung zwischen Süddeutschland, Venedig und Ostmitteleuropa ein.
Parallel zum agrarwirtschaftlichen Aufschwung durch die Entwicklung neuer Agrartechniken, kam es ab der 2. Hälfe des 12. Jahrhunderts zu einer Welle an Städtegründungen.
Diese Städtegründungen zwischen 1180 und 1270 basierten auf einer meist rechteckigen Platzanlage mit an den Rand gerückten Stadtburgen, wobei der Ausbau planmäßig und mit regelmäßigem Grundriss erfolgte. Beispiele für im 13. Jahrhundert entstandene Städte sind Linz, Freistadt, Wiener Neustadt, Bruck an der Leitha, Laa an der Thaya, Korneuburg, Hartberg, Weiz und Radkersburg.
In Wien wurden von den Handwerkern, welche beim Bau der Wiener Stadtmauer beschäftigt waren, die ersten Steinheuer Wiens errichtet.
Der endgültige Bauboom trat mit 1200 ein, unter anderem mit dem Bau des Stephansdom und die Ersetzung des Virgildoms in Salzburg durch eine romanische Basilika.
Die bedeutendste Bauinnovation des 13. Jahrhundert im Wohnungswesen war das Auftreten der Stube als heizbarer, aber rauchfreier und gegen das Dach hin durch eine Oberdecke abgeschlossener Wohnraum. Nach und nach setzte sich diese Stube nicht nur im Adel sondern auch beim einfachen Volk durch.
Das Dorf, so genannte Zellensiedlungen und Waldhufendörfern (in Rodungsgebieten), wurden zur dominierenden Lebensform.
Der Münzhandel gewann im 12. Jahrhundert ebenso stark an Bedeutung, wobei der Friesacher Pfennig, welcher von den Salzburgern Bischöfen in Friesach (Silbervorkommen!), geprägt wurden, sich zur führenden Handelsmünze des Südostalpenraums entwickelte.
Im Gegensatz dazu fehlte den Babenbergern im Donauraum bis zum Eintreffen des Lösegelds für Richard Löwenherz sowie dem Erwerb der Steiermark jegliches Edelmetallvorkommen. Ab 1194 etwa wurde Wien jedoch zur babenbergischen Münzstätte und der dort geprägte Wiener Pfennig nahmen weit über die Grenzen des Herzogtums Österreichs eine führende Stellung ein.
Einen weiteren Bergreichtum der Ostalpen neben dem Edel- und Buntmetall sowie dem Salz (Reichhall, Hallein) stellte das Eisen dar. Jenes wurde ab 1150 vor allem am steirischen Erzberg abgebaut.

Berühmt war der babenbergische Hof auch für sein kulturelles Leben: Walther von der Vogelweide, Neidhart von Reuenthal, Ulrich von Liechtenstein, Reinmar von Hagenau, Dietmar von Aist, der Kürnberger, Tannhäuser und der Stricker prägten die damalige Zeit ebenso wie das Nibelungenlied und das Kudrunlied, beides im österreichischen Raum entstanden.

Trotz allem brachte Leopold V. Das Lösegeld nur wenig Glück: Wegen der Gefangenschaft exkommunizierte ihn der Papst, das Land mit einem Interdikt belegt.
Erst am Sterbebett 1194 wurde er gegen Zusicherung der Rückgabe des restlichen Lösegelds vom Bann befreit.
Das sein Sohn Friedrich I. diese Zugeständnisse seines Vaters, trotz eigener Bekräftigung durch einen Eid darauf, nicht einhielt, war nicht unerwartet ...


(Quelle: Sandgruber, Roman: Illustrierte Geschichte Österreichs. Epochen, Menschen, Leistungen; Richler Verlag: Wien, 2000)

Freitag, 17. März 2006

Wiener Juden im Mittelalter

Nachdem man uns bei der Besprechung wegen Lainz gestern gefragt hat, was die Erkennungsmerkmale der jüdischen Bevölkerungsschicht im MA waren:
  • Gelber Hut
    Der Judenhut war eine gelbe, spitz zulaufende Kappe, die männliche Juden im Mittelalter als Erkennungszeichen außerhalb ihres Ghettos tragen mussten.

    Das vierte Laterankonzil von 1215 hatte männliche Juden und "Sarrazenen" (Muslime, Araber) darauf verpflichtet. Bei letzteren wurde die Verordnung jedoch dann weit weniger streng durchgesetzt. Das Konzil von Vienne erhielt die Entscheidung für Juden aufrecht. Papst Paul IV. legte 1555 fest, dass der Hut gelb und spitz zulaufend zu sein habe.

    Der Judenhut war in gewisser Weise eine Verhöhnung des jüdischen Brauchs, in der Synagoge eine Kopfbedeckung, die Kippa, zu tragen. Er erschwerte Juden den normalen Kontakt und jegliche Geschäftsbeziehungen zu Christen. Er erleichterte ihre soziale Kontrolle und ihr Auffinden im Falle eines Pogroms.

    Eine weitere mittelalterliche Stigmatisierung von Juden war der Gelbe Fleck: ein kreisförmiger Ring, der sichtbar auf die äußere Kleidung geheftet sein musste.

    Auch angeblich oder wirklich überführte Wucherer, "Zauberer", "Hexer" usw., die selbst nicht unbedingt Juden waren, konnten zum Tragen eines Judenhutes verurteilt werden.

    Erst mit der Judenemanzipation in einigen Nationalstaaten Europas seit 1789 wurde der Judenhut abgeschafft.

    Die Nationalsozialisten nahmen diese "Tradition" seit 1942 mit der Verordnung zum Tragen eines Judensterns sowohl in den Ghettos wie in den deutschen Wohnbereichen für Juden wieder auf. Fast alle ihrer judenfeindlichen Gesetze hatten kirchliche mittelalterliche Vorbilder.
    (Quelle: http://lexikon.freenet.de/Judenhut )

  • Wien: Gelber Ring
    Der Gelbe Fleck war ein Stoffstück in Kreis-, Ring- oder Rechteck-Form, das Juden im Mittelalter als Unterscheidungsmerkmal sichtbar außen an der Kleidung tragen mussten. Er war Teil einer diskriminierenden Kleiderordnung, die ihnen von kirchlichen und weltlichen Herrschern aufgezwungen wurde.

    Ähnliche Kleiderordnungen waren nicht nur im Christentum, sondern auch im Islam seit dem frühen 7. Jahrhundert für sogenannte Dhimmis - Schutzbefohlene, Untergebene; gemeint waren Juden und Christen, oft jedoch nur Juden - üblich. Diese Regeln waren nicht im Koran oder der Hadith begründet und wurden in islamischen Ländern nicht immer streng durchgesetzt.

    Die Farbe Gelb wurde schon im frühen Ritteradel Europas mit etwas Bösem oder Ungesundem in Verbindung gebracht. Gelbliche Pferde galten Rittern als minderwertig. Alle übrigen Farben waren auf ihren Wappen vergeben, so dass für die Juden nur noch Gelb übrig blieb.

    Seit dem 4. Laterankonzil von 1215 mussten Juden den Gelben Fleck zusätzlich oder alternativ zu dem sogenannten Judenhut tragen. Diese Regeln wurden in den Ländern Europas verschieden detalliert ausgeführt und gehandhabt.
  • (Quelle: http://lexikon.freenet.de/Gelber_Fleck_%28Symbol%29)

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